Offboarding - wertschätzend trennen
Professionelles Offboarding als Führungsaufgabe
Trennungsgespräche gehören zu den anspruchsvollsten Momenten im Führungsalltag. Kaum ein anderer Moment prägt das Arbeitgeberimage in der persönlichen Wahrnehmung stärker. Deshalb ist professionelles Offboarding kein Nice‑to‑have, sondern ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Führung.
Respekt endet nicht mit dem Arbeitsverhältnis
Ein Trennungsgespräch verlangt höchste Professionalität. Keine Mitarbeiterin, kein Mitarbeiter – unabhängig von der Leistung – sollte ohne Respekt verabschiedet werden. Wertschätzung zeigt sich besonders im Moment der Trennung.
Oft höre ich: „Eine Kündigung kann man nicht wertschätzend kommunizieren.“
Doch, wir können das. Und es ist notwendig.
Führungskräfte, Unternehmen und Mitarbeitende begegnen sich im Berufsleben häufig mehr als einmal. Zudem prägt kein Prozess in Zeiten von kununu und Co. das Arbeitgeberimage so stark wie der Umgang mit ausscheidenden Mitarbeitenden.
Sorgfältige Vorbereitung als To-Do
Professionelle Führung bedeutet, auch ein Trennungsgespräch sorgfältig vorzubereiten. Dazu gehören, relevante Informationen zusammenzutragen, die Dauer der Zusammenarbeit zu reflektieren und die Botschaft klar zu formulieren.
Handelt es sich um eine betriebsbedingte Kündigung, braucht es eine nachvollziehbare Erläuterung der Hintergründe.
Bei leistungs‑, verhaltens‑ oder krankheitsbedingten Kündigungen ist eine strukturierte Darstellung der Gründe erforderlich – inklusive Hinweise auf bereits geführte Gespräche, Abmahnungen oder andere Maßnahmen.
Transparenz schafft Orientierung
Auch aus Sicht der betroffenen Person gilt: Transparenz zu den Gründen einer Kündigung ist unverzichtbar. Aussagen wie „Sie wissen schon warum.“ oder „Es gab Beschwerden...“ sind weder professionell noch angemessen.
Menschen arbeiten engagiert und nach bestem Wissen und Gewissen – und verdienen gerade im Trennungsprozess entsprechende Wertschätzung.
Empathie ist kein Soft Skill – sie ist Führungsqualität
Empathie und Authentizität sind letztendlich entscheidend. Kleine Gesten – ein Glas Wasser, ein Taschentuch, vielleicht ein Taxi für den sicheren Heimweg – zeigen Respekt. Es geht nicht darum, die Botschaft zu relativieren, sondern darum, den Menschen hinter der Rolle zu sehen und der bisherigen Leistung mit Wertschätzung zu begegnen.
Offboarding – mehr als ein Dokumentenpaket
Viele Unternehmen unterschätzen die Bedeutung eines strukturierten Offboardings. Eine Kündigung oder Aufhebungsvereinbarung sollte fehlerfrei formuliert, korrekt übergeben und vollständig sein. Themen wie Zwischen‑ und Abschlusszeugnisse oder notwendige Bescheinigungen gehören selbstverständlich dazu – ohne dass die ausscheidende Person mehrfach nachfragen muss.
Sie lachen? Willkommen in der Wirklichkeit: In der Praxis zeigt sich häufig, dass HR‑Prozesse lückenhaft sind und Führungskräfte ausscheidenden Mitarbeitenden nicht die notwendige Aufmerksamkeit schenken.
Unerwartete Kündigungen sind häufiger, als wir zugeben
Eine Kündigung „aus heiterem Himmel“ kommt häufiger vor, als wir es in unseren Netzwerken und folglich auch in unseren CVs offen eingestehen. Gerade zum Jahreswechsel erwischt es die ein oder andere Person oftmals unerwartet und schmerzvoll.
Die Art und Weise, wie eine Trennung gestaltet wird, beeinflusst maßgeblich, wie gut sie verarbeitet werden kann. Emotionen wie Trauer, Wut oder Verunsicherung sind normal. Selbstfürsorge bedeutet, sich Zeit zu geben – sonst wird der nächste berufliche Schritt unnötig erschwert.
Mythos oder Wahrheit: Wer holt sich wirklich rechtlichen Rat?
Nur wenige nutzen im Trennungsprozess die Unterstützung einer qualifizierten anwaltlichen Beratung. Das deutsche Arbeitsrecht sieht vor, dass Kündigungen auf ihre Wirksamkeit geprüft werden dürfen – und das ist gut so. Denn:
Wer unerwartet den Job verliert, braucht emotionale Stabilität – nicht zusätzliche Komplexität.
Ein Trennungsprozess findet selten auf Augenhöhe statt. Abgesehen von HR‑Expert:innen oder juristischen Fachpersonen verfügt nur eine geringe Anzahl von Arbeitnehmenden über einen fundierten Überblick im komplexen Geflecht aus arbeitsrechtlichen Vorgaben und den Anforderungen der Agentur für Arbeit. Jede Formulierung in einer Aufhebungs‑ oder Abwicklungsvereinbarung ist relevant und sollte eindeutig und rechtssicher definiert sein.
Wer gerade erfahren hat, dass sie oder er unerwünscht ist, verhandelt selten souverän. Neben rechtlichen Rahmenbedingungen geht es auch um Zwischentöne – wie Freistellung, Sprinterprämien, Dienstwagenregelungen oder andere individuelle Vereinbarungen.
Wie bei Gehaltsverhandlungen verkaufen sich weibliche Führungskräfte auch in Aufhebungsvereinbarungen häufig schlechter als ihre männlichen Kollegen. Nicht, weil es ihnen an Kompetenz fehlt, sondern weil sie das Thema oft zügig abschließen und den Blick nach vorn richten möchten, statt dem Vergangenen nachzutrauern.
Wie gut ist Ihr Unternehmen auf anspruchsvolle Trennungssituationen vorbereitet?
Wenn Sie Offboarding souverän, respektvoll und professionell gestalten möchten, begleite ich Sie als Coach – damit Führung, Kommunikation und Arbeitgeberimage auch im Abschied überzeugen.
Greifen Sie dazu gern auf meine Offboarding‑Checkliste zurück – Sie können sie hier direkt herunterladen: